Warum Angebote im Postausgang versanden
Kaum ein Betrieb hat ein Problem damit, Angebote zu schreiben. Das Problem beginnt danach. Ein typischer Ablauf im technischen Vertrieb: Der Innendienst kalkuliert, der Außendienst schickt das PDF aus dem Postfach, der Kunde bestätigt kurz den Eingang. Dann ist Stille. Drei Wochen später fällt jemandem auf, dass die Gültigkeit abgelaufen ist.
- Das ERP kennt das Angebot, aber nicht das Nachfassen. Dort steht der Beleg; ob jemand angerufen hat, was der Kunde sagte und wann es weitergeht, lebt in Postfächern und Köpfen. Genau die Phase, in der Umsatz entschieden wird, hat kein System.
- Der Zuständige ist unterwegs. Wer das Angebot geschickt hat, sitzt beim nächsten Kunden. Die Wiedervorlage steht, wenn überhaupt, im eigenen Kalender. Fällt der Kollege aus, fällt das Angebot mit.
- Die Excel-Angebotsliste hat keine Uhr. Spalte „Versendet am" und Spalte „Gültig bis" stehen da. Nur schaut niemand jeden Morgen hinein, welche Zeile heute dran ist.
- Nachfassen fühlt sich wie Betteln an. Viele Techniker im Vertrieb fassen ungern nach, weil ihnen Anlass und Formulierung fehlen. Also warten sie, bis der Kunde sich meldet. Der meldet sich dann beim Wettbewerber, der nachgefasst hat.
Eine Katastrophe ist das nicht, eher ein leiser Schwund: Angebote mit Aufwand, die weder gewonnen noch verloren werden. Sie verfallen einfach. Und weil sie nirgends als „verloren" stehen, lernt auch niemand, warum.
