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Vertriebsprozess im Maschinenbau: von der Anfrage bis zum Auftrag

Im Maschinen- und Anlagenbau ist der Verkauf selten ein Abschluss am Telefon. Zwischen Anfrage und Auftrag liegen technische Klärungen, Besuche, Angebote in mehreren Fassungen und oft Monate. Ein klarer Prozess sorgt dafür, dass in dieser Zeit niemand den Faden verliert. Dieser Ratgeber beschreibt die Phasen, die Fragen, die früh gestellt werden sollten, und die Kennzahlen, die den Prozess steuerbar machen.

Verkaufschancen-Brett mit den Phasen Anfrage, Angebot und Verhandlung auf einem Notebook
  1. 1Was den Vertrieb im Maschinenbau anders macht
  2. 2Die Phasen von der Anfrage bis zum Auftrag
  3. 3Anfragen früh qualifizieren
  4. 4Vier Kennzahlen, die den Prozess steuerbar machen
  5. 5Typische Fehler
  6. 6So macht es Portario
  7. 7Häufige Fragen
Abschnitt 1

Was den Vertrieb im Maschinenbau anders macht

  • Lange Wege bis zum Auftrag. Investitionen werden geplant, freigegeben, verschoben. Ein Angebot kann Monate offen sein, ohne dass es verloren ist.
  • Mehrere Entscheider. Die Technik will die richtige Auslegung, der Einkauf den Preis, die Geschäftsführung die Freigabe. Wer nur mit einem spricht, kennt die Hälfte.
  • Teure Angebote. Ohne technische Klärung, Konstruktion und Kalkulation gibt es kein Angebot. Deshalb lohnt es sich, früh zu prüfen, ob eine Anfrage ein echtes Projekt ist.
  • Das zweite Geschäft danach. Mit der Auslieferung beginnen Service, Wartung und Ersatzteile. Ein guter Vertriebsprozess endet nicht beim Auftrag, sondern übergibt sauber an den Service.
Abschnitt 2

Die Phasen von der Anfrage bis zum Auftrag

Mehr Phasen machen einen Prozess nicht besser. Entscheidend ist, dass jede Phase ein klares Ende hat, an dem man sieht, dass es weitergeht.

PhaseWas passiertWoran man sieht, dass sie abgeschlossen ist
AnfrageEingang über Website, Messe, Telefon oder Bestandskunde; erste EinordnungAnsprechpartner und Bedarf sind bekannt, die Anfrage ist qualifiziert
KlärungTechnische Anforderungen, Besuch, Lastenheft, EntscheidungswegEs ist klar, was angeboten wird und wer entscheidet
AngebotKalkulation, Angebot mit nächstem Schritt, Nachfassen nach PlanDas Angebot ist beim Entscheider, Fragen sind beantwortet
VerhandlungVarianten, Preis, Liefertermin, ZahlungsbedingungenEine Bestellung liegt vor, oder die Absage mit Grund
Auftrag oder verlorenÜbergabe an Auftragsabwicklung und Service, bei Verlust der GrundAuftrag im ERP, Ansprechpartner für Inbetriebnahme und Service stehen fest

Wie man in der Angebotsphase nachfasst, ohne zu drängeln, steht im Ratgeber zum Nachfassen.

Abschnitt 3

Anfragen früh qualifizieren

Weil ein Angebot im Maschinenbau viel Arbeit macht, gehört vor die Kalkulation eine kurze Prüfung. Fünf Fragen reichen meist:

  1. Welches Problem soll gelöst werden? Ersatz, Erweiterung, neue Produktion? Daraus folgt, wie dringend es wirklich ist.
  2. Bis wann? Ein Termin, an dem die Anlage laufen muss, macht aus einer Idee ein Projekt.
  3. Ist das Budget eingeplant? Nicht die genaue Summe, aber ob es eine Investitionsplanung dafür gibt.
  4. Wer entscheidet, und wer redet mit? Technik, Einkauf, Geschäftsführung, manchmal ein Konzern.
  5. Mit wem wird verglichen? Wer den Wettbewerb kennt, kann sein Angebot darauf ausrichten.

Wer die Antworten aus dem Gespräch festhält, zum Beispiel im Besuchsbericht, muss sie beim nächsten Termin nicht noch einmal erfragen.

Abschnitt 4

Vier Kennzahlen, die den Prozess steuerbar machen

  • Offener Angebotswert je Phase. Zeigt, wo sich Projekte stauen.
  • Gewichteter Forecast. Wert mal Abschluss-Wahrscheinlichkeit der Phase: realistischer als die bloße Summe aller Angebote.
  • Gewinnquote. Gewonnene von allen entschiedenen Angeboten. Sinkt sie, lohnt der Blick auf die Qualifizierung.
  • Verlustgründe. Preis, Lieferzeit, Technik, Projekt gestoppt. Nach einem halben Jahr zeigt die Liste, woran Aufträge wirklich scheitern.

Allgemeine Richtwerte, etwa wie lange ein Verkaufszyklus „normalerweise“ dauert, helfen wenig. Wichtiger ist, die eigenen Zahlen über Zeit zu vergleichen.

Abschnitt 5

Typische Fehler

  • Angebot ohne Qualifizierung. Viel Kalkulation für Anfragen, die nie ein Projekt waren.
  • Das Wissen steckt im Kopf des Außendienstes. Fällt er aus oder wechselt, beginnt der Nachfolger bei null.
  • Verloren ohne Grund. Ein Angebot verschwindet still aus der Liste, und niemand lernt daraus.
  • Der Service sitzt woanders. Der Vertrieb weiß nicht, welche Anlagen beim Kunden laufen, wann sie alt werden und welche Reklamation gerade offen ist.
  • Das ERP soll es richten. Das ERP kennt den Auftrag, aber nicht den Weg dahin: Besuche, Gespräche, Nachfassen. Dafür ist es nicht gebaut.
Abschnitt 6

So macht es Portario

  1. Phasen passend zum Maschinenbau. Die Branchen-Vorlage „Technischer Vertrieb“ legt die Phasen Anfrage, Angebot, Verhandlung, Auftrag erhalten und Verloren an; eigene Phasen sind möglich. Anfragen beginnen als Lead und werden zur Verkaufschance.
  2. Alle Beteiligten an der Chance. Neben dem Ansprechpartner stehen weitere Personen der Firma mit ihrer Rolle: Entscheider, Beeinflusser, Einkauf.
  3. Angebot und Nachfassen. Das Angebot entsteht an der Verkaufschance; bleibt es sieben Tage ohne Antwort, erinnert Portario den Verantwortlichen. Besuchsberichte hängen an der Chance, aus dem nächsten Termin wird eine Wiedervorlage.
  4. Kennzahlen ohne Excel. Offene Summe, gewichteter Forecast mit Wahrscheinlichkeit je Phase, gewonnen und verloren, Gewinnquote; bei verlorenen Chancen ein Feld für den Grund. Dazu Ziele je Person oder Team.
  5. Vertrieb und Service an einem Ort. In der Firmenakte stehen Anlagen, Wartungsverträge, Tickets und offene Posten aus dem ERP neben den Verkaufschancen.

Häufige Fragen

Wie viele Phasen sollte ein Vertriebsprozess haben?

So wenige wie möglich, so viele wie nötig: Fünf bis sechs reichen den meisten Betrieben. Wichtiger als die Zahl ist, dass jede Phase ein klares Ende hat, an dem alle sehen, dass es weitergeht.

Wie lange dauert ein Verkaufszyklus im Maschinenbau?

Das hängt stark von Produkt und Kunde ab, von wenigen Wochen für Standardmaschinen bis zu deutlich längeren Zeiträumen für Anlagenprojekte. Statt einer Branchenzahl lohnt es sich, die eigene Dauer von der Anfrage bis zum Auftrag zu messen und zu verfolgen.

Brauchen wir ein CRM, wenn wir ein ERP haben?

Das ERP bildet Aufträge, Lieferungen und Rechnungen ab, aber nicht den Weg dorthin: Anfragen, Besuche, Angebotsfassungen, Nachfassen. Ein CRM daneben übernimmt genau diesen Teil und liest die Stammdaten aus dem ERP. Mehr dazu im Ratgeber „CRM neben SAP“.

Wer pflegt die Daten im Vertrieb?

Der, der das Gespräch geführt hat, und zwar am selben Tag. Damit das klappt, muss es schnell gehen: Besuchsbericht am Handy, Wiedervorlage mit einem Klick. Ein Prozess, der mehr Pflege kostet als er bringt, wird nicht gelebt.

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